totgeglaubte leben länger. Foucaults pessimistischer satz, am ende seiner ärchäologie der humanwissenschaften, wo er durchaus eine disposition zum untergang sieht, wirft eine reihe von fragen auf. der für ihn geschaffene lehrstuhl für die geschichte der denksysteme am College de France wirft ein anfängliches licht auf diese aussage. ist der mensch durch seine denksysteme gefährdet, sind die denksysteme konstituierend für den begriff mensch, ist der mensch unabhängig von seinen denksystemen gefährdet u.a.m. und kann man diese aussage ernstnehmen, ist sie überhaupt eine philosophische aussage, oder nur ausdruck eines persönlichen fatalismus, ein postmoderner skeptizismus, eine antizipierte dekonstruktion unserer geistesgeschichte, einen kulturellen verfall vorauszeichnend, das ende unserer kulturgeschichte, das ende von geschichte überhaupt, unserer kleinen erzählung vom menschen als vernunftbegabt, das verschwindende narrativ vom wahren, guten, schönen, der mensch,nun schrumpfend, wird zum homunculus, gibt auf, wirft sich seinen affekten vor die füße. schön war die zeit, liebling, es zu versuchen, das wagnis einzugehen, der menschwerdung, nicht nur gott ist tot gemacht, der mensch in agonie, todgeweiht, verliert sich, kehrt zurück ins paradies, der schöpfer holt uns, drückt die pausetaste, standbild, errstarrung, die waren-flüsse fließen, noch.
*”..dann kann man sehr wohl wetten, daß der mensch verschwindet wie am meeresufer ein gesicht im sand.” M. Foucault, Les mots et les choses. 1966, Gallimard


