das dispositiv ihrer liebes beziehung war schachgleich, ein festes regelwerk, eine geometrie des spielfeldes, komplexe lagen, geniale züge, schnelle konter, die jagd nach strategisch günstigen positionen, perspektivwechsel mit taktischen opfern, das gambit bevorzugt. sie saßen sich gegenüber, an corpus christi, die glocken der jesuitenkirche läuteten herüber, über die dächer, hinein in ihre küche, vermengten sich mit dem sound von open road, aus ihrem wohnzimmer kommend, jazz, von den yellow jackets, die er regelmäßig feiertags und sonntags, sonst selten hörte. open road, mesmerizing, immer wieder, findest du nicht auch. ja, immer wieder, haha. ok, ich lege was anderes auf, hast du einen wunsch. du, leg doch mal was von bach auf, die partiten oder so, die ich so liebe. letzte nacht träumte ich von einer blinden, stell dir vor, die mich anschaute, mich mit ihren blicken fixierte. da hast du wohl von mir geträumt, mein lieber, sie mussten beide lachen, soll ich noch einen tee machen, oder ist es schon zeit für deinen ersten kaffee, wie hast du geschlafen auf der couch, das musste wirklich nicht sein. du hast mich nicht gestört, ich wäre sicher auch bald eingeschlafen. ja, kaffee bitte..sokolev oder hewitt. hewitt, we’ll keep it soft and tender, für einen einstieg. einstieg in was, mein schatz. lass uns doch da weiter machen, wo wir beide gestern erschöpft endeten. bei der freiheit, oder thema verantwortung, ich weiß jetzt nicht mehr so genau, wo..wir hatten zwei flaschen wein getrunken. my goodness gracious. er war gespannt, auf ihren modus, diskurs oder debatte. die gestrige debatte, wo sie sich verhakten, harte worte fielen, das terrain unübersichtlich wurde, abschüssig, sie beide, nach bauernopfern, rochaden, und sich wiederholenden zügen, jeder für sich noch chancen witterte, beide dann doch aufgaben, dann sich versöhnlich umarmten, sich in die nacht verabschiedeten, nebeneinander zu liegen kamen, beide noch unruhig, bis er sich ins wohnzimmer begab, und dort schnell in einen schlaf fiel, tief und trunken zuerst, leichter in den frühen morgenstunden dann, aufwachte, kurz an ihrer tür lauschte, zur toilette ging, seine prostata verfluchte, sich anschliessend die zähne putzte, des rotweins wegen, in der küche platz nahm, die noch voll des gespräches vom gestrigen abend war, wo er nun zu lesen begann, in seinem neuen buch, les mots et les choses, die ordnung der dinge, das, als archäologie der erkenntnis angelegt, ihm, nach anfangsschwierigkeiten, nun bereitwillig raum gab, er hinein fand, in seinen modus fand.


