das zimmer, groß, wohl ungefähr 40qm, spartanisch eingerichtet, bett, tisch, stuhl, die hundert bücher seines kanons, zum lesen bereit standen sie in dem kleinen, selbstgezimmerten regal, welches er mitbrachte, der kleine bistrot tisch, am fenster, die toilette außerhalb, im halbgeschoss, das große waschbecken, eine kochplatte, kahle wände, das große fenster und die wand, die er hinter einem vorhang verbarg, diesen an geeigneten abenden öffnete, die beleuchtung stellte er mit einer kerze her, die er vom messdiener erhielt, nahezu abgebranntes licht des ewigen, die sicher noch monate brennen konnte, zu seinen veranstaltungen, wo er vor der wand platz nahm und seinen visionen nachging. seit tagen verspürte er eine unruhe in sich, sein tägliches schreiben, von neun bis zölf uhr und sein nachmittägliches lesen bis in die abendstunden, war dadurch etwas beeinträchtigt, was ihn nicht weiter beunruhigte, seine fortschritte im schreiben, vor allen dingen seine erzählung Eine Liebe von Ruth, machte durchaus fortschritte, er wechselte von seinen kurzgeschichten hin zu seiner erzählung, im steten wechsel, was ihm vertretbar schien, er sein plansoll erreichte, auf die wochen bezogen. der heutige tag war anders, ein arbeiten unmöglich, das lesen beschwerlich, die gedanken gingen ihn an, um seine kindheit, nahezu vaterlos aufgewachsen, die mutter in gesprächen, mit der haushälterin, dem waschmaschinen monteur, wer auch immer verfügbar war, für ihn nicht auffindbar in ihrer interesselosigkeit, was ihm erst auffiel, als er sie nicht mehr brauchte, was ein besonderes licht warf, auf seine kindheit, er objektiv vernachlässigt war, außerhalb seines persönlichen empfindens, was er im nachhinein als glück empfand, der prägung entgangen zu sein, der enge, den belanglosigkeiten, er erst mit ungefähr zwanzig, gesprächsbereit war, jenseits der rechtfertigungen, die sein bruder im abverlangte, über die jahre für die immense freiheit, die er in seinen augen genoß, der als kleiner ganove und betrüger endete, der in seiner larmoyanz letztlich ersoff, der sein rückgrat durch einen gummizug ersetzte, um leichter durch sein leben zu zappeln, zu lavieren, der mit seiner gattin jemand fand, der er seine textbausteine als gedanken verkaufen konnte, der soviel ehrgefühl im laib hatte, wie eine schnecke, die überfahren auf der strasse liegt, die zuvor mit ihren stiläuglein noch einen letzten blick erhaschte, von den sternlein die über ihr prangten, in der sekunde. die bilder und erlebnisse zogen in ihm vorrüber, ohne geringstes bedauern, kommentarlos, alleinig erneut sich zur kenntnis gegeben. er kehrte zurück von seinem kleinen spaziergang, und nannte sein zimmer nun sein zuhause, war froh zurück zu sein, fühlte in sich, vermutete eine leicht erhöhte temperatur, und erwartete texte seiner töchter, wie mit ihnen verabredet, wöchentliche stimmfühlungslaute, kurzberichte beidseitig, die allerdings ausblieben, da er sich im wochentag getäuscht hatte. auf einen unbestimmten verdacht hin öffnete er den vorhang, setzte sich mit dem stuhl auf die hierfür markierte stelle und genoss die wirkung der wand, die er nun seine bühne nannte, als autor, regisseur, zuschauer, und als gast, war heute voller erwartung, was er nicht recht verstand. plötzlich, was er sich zuvor nicht zugestand, er aber jetzt in sich hineinhörte und eine stimme wahrnahm, die er gut kannte, wusste er worauf er eigentlich wartete, auf sie, die er zurückließ, die zurückbleiben wollte, musste, ihr bild, was er tief in sich verwahrte, langsam konturen annahm im goldenen rahmen und sie nun deutlich zu sehen war, er war den tränen nahe, vor freude und schmerz. sie sah ihn an mit ihren leuchtend grünen augen, die an manchen tagen eine fast unerträgliche strahlkraft besaßen, er sah sich hinzutreten in die szene, hörte ihre stimme zwar nicht mehr, hörte hingegen ihre gedanken, er wollte dieses bild festhalten, was ihm nicht gelang, wo warst du die ganze zeit, ich wartete, du weißt doch, wo du mich findest, warum kommst du nicht, wann kommst du wieder, wirst du wiederkommen, felix, du glücklicher, mach du mich wieder glücklich, schau mich an, schau..er stand auf, da er befürchtete sie könne sich entkleiden, wie in einer vorigen vision, die ihn für viele tage beschäftigte, verfolgte, und schloss den vorhang wieder, um ihn gleich danach wieder zu öffnen, er konnte ihr nicht widerstehen, selbst als vision, war sie ihm unwiderstehlich, er küsste ihre hände, küsste ihren hals, ihre nun geschlossen augen, ihren mund, ihre lippen, leidenschaftlich, und schlief mit ihr, liess sich nach geraumer zeit vom stuhl fallen, blieb dort regungslos liegen, flüsterte ihr noch liebesdinge nach, bis er erschöpft dort in einen traumlosen schlaf fiel, er weit nach mitternacht erst ins bett fand, um dort zu wachen, wie erstarrt dort lag, nur sein fieber ihn ab und zu schüttelte, was gegen morgen seine arbeit ihn ihm einstellte.


