sie saßen jetzt bereits den dritten tag an nachbartischen bei tchibo, er las, sie arbeitete an ihrem macbook. vorgestern sagten sie einander hello zum abschied, gestern, im gehen, sagte er, see you tomorrow, perhaps, sie lächelte, and have a good day, was sie erwiderte. heute trug sie etwas lippenstift, für den sie sich mutig entschied, war aber wohl etwas unglücklich über diesen entschluss, als sie eintraf. er schenkte ihr daher zuerst kaum beachtung, erst beim brille putzen schaute er sie dann an und sie winkte sachte, was er mit einem, I can’t see properly, beantwortete, dabei setzte er die brille wieder auf und sie lachten nun beide über diese gelungene annäherung. sie fanden sich offenbar nicht unattraktiv und waren gespannt auf das weitere. sie war doktorantin am benachbarten psychologischen institut, wie sie ihm etwas zu schnell mitteilte und darüber still seiner meinung war, die er für sich behielt. er half ihr geschwind hinweg über diese kleine irritation mit der bemerkung, psyche sei ja die hübscheste der königstöchter in den mythen der antike gewesen. er flunkerte etwas von seiner tätigkeit in der computerbranche, womit sie schnell zufrieden war und er erleichtert das thema wechseln konnte. er wählte diesmal nicht die biografie des gegenüber, sondern kam über das warenangebot bei tchibo zum thema kochen und berichtete von seinen heutigen einkäufen in der markthalle, und was er für sich am abend zuzubereiten gedachte.

beim thema selbstgemachte mayonaise ging er etwas zu weit ins detail und überließ ihr dann die weitere gesprächsgestaltung. sie wurde jetzt leicht kokett und er signalisierte, daß ihm das gefiel, er schaute dabei auf ihre hand, die sie auf ihr hübsches dekolleté legte und schaute ihr anschließend etwas länger in ihre augen als gewöhnlich. sie antwortete mit alternierendem blickkontakt und jetzt hatte die begegnung die sprachebene fast verlassen. jetzt wurde etwas anderes verhandelt, jetzt galt die theorie des kommunikativen handelns, die gestik, der ausdruck, die pausen waren nun wichtiger als das gesagte. jetzt versuchte eros psyche zu entführen, die königstochter, zu begleiten vielleicht, in diesem falle, in das institut, in die dunkelheit alter flure und nischen, einem kleinen zimmer, mit hofblick, überheizt und nach alten büchern riechend, der holzboden knarrend, das kleine sofa, mit dem bestickten kissen, die kleinen geschichten und aperçus, in denen er sich versuchte, sie zu versuchen, bis sie ihn zu sich zog, in ihr gemach.


