hi Frank, gut siehst du aus, mensch, aus dem urlaub zurück was, machst du noch was, wie gehts den kindern, ach so. nach dem üblichen, dem einstiegsritual, dem abspulen der textbausteine, fanden sie in ein kurzes gespräch, und stellten fest, daß es zeit sei, sich wieder einmal zeit für einander zu nehmen, thematisch zu mäandern, gemeinsam, diskursiv, mit ausdauer zu palavern, wie sie das früher nannten, kleine und große palaver veranstalteten, zu zweien oder auch zu dreien, mit Ruth, die sie dann zuhause abholten, die sich von ihrem stiefsohn, den sie heiratete, trennte, da er ihrer meinung nach sich etwas jüngeres suchen sollte, liebe hin oder her, sie ihren körperlichen zerfall für unzumutbar hielt, ihn besser alleine zu bewältigen hoffte, sie ihn frei gab, aus liebe zu ihm, in förmlich hinaus drängte, aus ihrer ehe, die scheidung beantragte, er letztendlich einwilligte, und sich fügte. die sich anschließende depressive episode, die er geflissentlich veröffentlichte, nach kurzer zeit bewältigte und mit Beatrice, einer lockere bekanntschaft seiner ex frau, die sie in der drogerie kennen lernte, eine junge verkäuferin dort war, eine living apart together beziehung begann, die wohl nur kurz hielt, wegen des altersunterschiedes, wie er etwas empört berichtete. Ruth bedankte sich für ihre einladung zum palaver und schützte eine unpässlichkeit vor, die sie gelten ließen, versprachen ihr ein foto zu senden, ihr versicherten, daß sie kaum auf sie verzichten könnten, nach der langen zeit, und ihr einen überraschungsbesuch ankündigten und sie vorsichtig, aber dann dankbar einwilligte, und bemerkte, sie habe nur tee und mineralwasser zu hause, aber ein flasche wein doch willkommen sei, wegen der alten zeiten, sie sich freue und dankte und mit einem themenvorschlag für das palaver sich dann verabschiedete. die ungefähre nachbarschaft, sie wohnten zwei blöcke entfernt voneinander, machte es ihnen leicht, damals, die freundschaft zu pflegen, heute wohnten sie in entfernter transposition, wie Alan einmal bemerkte. sie nahmen sich vor, Ruths themenvorschlag zu ventilieren, ihr ausdruck für eine ernsthafte, aber nicht vollumfängliche, tiefgründige betrachtung, und ihr ihre ergebnisse dann zu präsentieren, beim weine. das thema schien ihnen, bei erster annäherung, obskur, aber dann kantig und vielgestaltig zu werden, eine gute wahl, ihrer überaus geschätzen Ruth, die sie immer wieder überraschen konnte, mit ihren themen, die so weit hergeholt, irgendwo ausgegraben waren, von ihr, ihnen nun eine kleine, fast archäologische aufgabe zukam, mit pinsel und kratzbürste, diesen gegenstand zu befreien, ihn in seiner schönheit zu einer geltung zu bringen, worauf sie sich bei Ruth verlassen konnten, was sie ebenso wusste, und ihnen dieses thema daher anvertraute.
* Richard Ford, Knopf, 2006


