{"id":9679,"date":"2026-05-20T13:30:44","date_gmt":"2026-05-20T13:30:44","guid":{"rendered":"https:\/\/alanrolsky.site\/?p=9679"},"modified":"2026-05-20T21:19:29","modified_gmt":"2026-05-20T21:19:29","slug":"eidos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alanrolsky.site\/?p=9679","title":{"rendered":"eidos"},"content":{"rendered":"<p>zuerst kommt das fressen und dann die moral. der ursprung dieser setzung, nun ins gegenteil verkehrt, bezogen auf die uners\u00e4ttlichen, obsz\u00f6nen herrschaften.<br \/>\ner ging hin\u00fcber zur ecke, \u00fcberquerte diagonal den boulevard, trat ein in das blumengesch\u00e4ft mit dem namen les fleurs du bon, mit der irischen Rose, der blumenh\u00e4ndlerin, die ihm die wei\u00dfen pfingstrosen versprach, f\u00fcr heute, die er als schmuck seiner behausung, ein zimmer unter dem dach mit vermutlich 15 qm, vorsah, f\u00fcr den abend. er erwartete besuch, Maeve, die schwester von Rose, die ein wort bei ihrer schwester f\u00fcr ihn einlegte, sie wollte er bewirten, mit einem kleinen menue, zu diesem tete a tete, was zusammen mit den rosen sein monatsbudget mehr als strapazierte, er dann sicher pleite war, tante Helene w\u00fcrde anpumpen m\u00fcssen, seine patentante, die ihn bei seinem sp\u00e4ten philosophie studium, welches sie durchaus bef\u00fcrwortete, dennoch nur widerstrebend und gelegentlich mit kleinen zusch\u00fcssen versah. Maeve war sicher wesentlich j\u00fcnger als ihre schwester, die er auf ende zwanzig sch\u00e4tzte, die einen vergleichbar robusten, irischen ausdruck in ihrem gesicht trug, das dennoch mit feinen z\u00fcgen versehen war, aber ihre h\u00e4nde von fast nobler art waren, beinahe zart, opaque im wei\u00df, im vergleich zu denen ihrer schwester, die von ihrer arbeit gezeichnet waren, kr\u00e4ftig, fast muskul\u00f6s und fleischfarben. die tage von Quiberon kamen ihm in erinnerung, der ernste vater, die verzweifelte mutter, mit einer absurden dramaturgie, in deren verlauf er sich lossagte, nach Paris zog, in das besagte zimmer, als nachtkontrolleur der Metro sich verdingte, als metzgersgehilfe schnell wieder das weite suchte, als faktotum eines herrschaftlichen anwesens, \u00e4hnlich dem der eltern, zumeist die kinder und deren schularbeiten betreute, und nun, nach anf\u00e4nglichen h\u00fcrden, einer anstellung nach ging, in der brasserie Lipp, wor\u00fcber er mehr als gl\u00fccklich war, als ungelernter und studienabbrecher der klassischen philologie. <\/p>\n<p>seine studien der philosophie, an der sorbonne, wollte er ausrichten, deren weiteren verlauf, der deutschen philosophie widmen, zumal Heidegger, eine schon fast franz\u00f6sische tradition, aber eben auch und nat\u00fcrlich Nietzsche, Kant und Cassirer, wobei letzterer in der sp\u00e4rlichen rezeption hierzulande, sein hauptziel war und er bereits eine promotion andachte, kant und das problem der metaphysik, vor dem hintergrund der philosophie der symbolischen formen Ernst Cassirers, betitelt. er l\u00e4chelte \u00fcber die anspielung auf ein werk Heideggers*. Maeve versp\u00e4tete sich. der einfach wundervolle strauss von pfingstrosen thronte, zu gro\u00df, auf dem kleinen, ovalen marmortischchen, dem er mittels zweier holzkisten, die beigestellt, nun auch platz boten, f\u00fcr die kleinen k\u00f6stlichkeiten, die er zubereitete und zu servieren gedachte. um sich die nicht enden wollende wartezeit angenehm zu gestalten, trank er die flasche wein und a\u00df sich satt, an dem mahl, was urspr\u00fcnglich f\u00fcr zwei gedacht war und dachte an ihre h\u00e4nde, die er nun, unangefasst, wie alles andere von ihr, verschob, wie den angerichteten tisch, die rosen, die verlorene zeit, auf der erneuten suche, a la recherche du temps de l&#8217;avenir. gespr\u00e4che von ganz unten im haus drangen zu ihm vor, schritte wahrnehmbar auf der steintreppe, n\u00e4herkommend, dann auf den holzstufen, leise, immer langsamer werdend, vorsichtig, fast tastend, dann ihr ruf mit fester stimme, Stefane, mach bitte das licht an. er war am rande der verzweiflung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zuerst kommt das fressen und dann die moral. der ursprung dieser setzung, nun ins gegenteil verkehrt, bezogen auf die uners\u00e4ttlichen, obsz\u00f6nen herrschaften. er ging hin\u00fcber zur ecke, \u00fcberquerte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,10,1],"tags":[],"class_list":["post-9679","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-people","category-texte","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9679"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9679\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9718,"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9679\/revisions\/9718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alanrolsky.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}