{"id":11935,"date":"2026-06-26T12:06:20","date_gmt":"2026-06-26T12:06:20","guid":{"rendered":"https:\/\/alanrolsky.site\/?p=11935"},"modified":"2026-06-26T17:50:14","modified_gmt":"2026-06-26T17:50:14","slug":"epiphaneia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alanrolsky.site\/?p=11935","title":{"rendered":"epiph\u00e1neia"},"content":{"rendered":"<p>das zimmer, gro\u00df, wohl ungef\u00e4hr 40qm, spartanisch eingerichtet, bett, tisch, stuhl, die hundert b\u00fccher seines kanons, zum lesen bereit standen sie in dem kleinen, selbstgezimmerten regal, welches er mitbrachte, der kleine bistrot tisch, am fenster, die toilette au\u00dferhalb, im halbgeschoss, das gro\u00dfe waschbecken, eine kochplatte, kahle w\u00e4nde, das gro\u00dfe fenster und die wand, die er hinter einem vorhang verbarg, diesen an geeigneten abenden \u00f6ffnete, die beleuchtung stellte er mit einer kerze her, die er vom messdiener erhielt, nahezu abgebranntes licht des ewigen, die sicher noch monate brennen konnte, zu seinen veranstaltungen, wo er vor der wand platz nahm und seinen visionen nachging. seit tagen versp\u00fcrte er eine unruhe in sich, sein t\u00e4gliches schreiben, von neun bis z\u00f6lf uhr und sein nachmitt\u00e4gliches lesen bis in die abendstunden, war dadurch etwas beeintr\u00e4chtigt, was ihn nicht weiter beunruhigte, seine fortschritte im schreiben, vor allen dingen seine erz\u00e4hlung Eine Liebe von Ruth, machte durchaus fortschritte, er wechselte von seinen kurzgeschichten hin zu seiner erz\u00e4hlung, im steten wechsel, was ihm vertretbar schien, er sein plansoll erreichte, auf die wochen bezogen. der heutige tag war anders, ein arbeiten unm\u00f6glich, das lesen beschwerlich, die gedanken gingen ihn an, um seine kindheit, nahezu vaterlos aufgewachsen, die mutter in gespr\u00e4chen, mit der haush\u00e4lterin, dem waschmaschinen monteur, wer auch immer verf\u00fcgbar war, f\u00fcr ihn nicht auffindbar in ihrer interesselosigkeit, was ihm erst auffiel, als er sie nicht mehr brauchte, was ein besonderes licht warf, auf seine kindheit, er objektiv vernachl\u00e4ssigt war, au\u00dferhalb seines pers\u00f6nlichen empfindens, was er im nachhinein als gl\u00fcck empfand, der pr\u00e4gung entgangen zu sein, der enge, den belanglosigkeiten, er erst mit ungef\u00e4hr zwanzig, gespr\u00e4chsbereit war, jenseits der rechtfertigungen, die sein bruder im abverlangte, \u00fcber die jahre  f\u00fcr die immense freiheit, die er in seinen augen geno\u00df, der als kleiner ganove und betr\u00fcger endete, der in seiner larmoyanz letztlich ersoff, der sein r\u00fcckgrat durch einen gummizug ersetzte, um leichter durch sein leben zu zappeln, zu lavieren, der mit seiner gattin jemand fand, der er seine textbausteine als gedanken verkaufen konnte, der soviel ehrgef\u00fchl im laib hatte, wie eine schnecke, die \u00fcberfahren auf der strasse liegt, die zuvor mit ihren stil\u00e4uglein noch einen letzten blick erhaschte, von den sternlein die \u00fcber ihr prangten, in der sekunde. die bilder und erlebnisse zogen in ihm vorr\u00fcber, ohne geringstes bedauern, kommentarlos, alleinig erneut sich zur kenntnis gegeben. er kehrte zur\u00fcck von seinem kleinen spaziergang, und nannte sein zimmer nun sein zuhause, war froh zur\u00fcck zu sein, f\u00fchlte in sich, vermutete eine leicht erh\u00f6hte temperatur, und erwartete texte seiner t\u00f6chter, wie mit ihnen verabredet, w\u00f6chentliche stimmf\u00fchlungslaute, kurzberichte beidseitig, die allerdings ausblieben, da er sich im wochentag get\u00e4uscht hatte. auf einen unbestimmten verdacht hin \u00f6ffnete er den vorhang, setzte sich mit dem stuhl auf die hierf\u00fcr markierte stelle und genoss die wirkung der wand, die er nun seine b\u00fchne nannte, als autor, regisseur, zuschauer, und als gast, war heute voller erwartung, was er nicht recht verstand. pl\u00f6tzlich, was er sich zuvor nicht zugestand, er aber jetzt in sich hineinh\u00f6rte und eine stimme wahrnahm, die er gut kannte, wusste er worauf er eigentlich wartete, auf sie, die er zur\u00fccklie\u00df, die zur\u00fcckbleiben wollte, musste, ihr bild, was er tief in sich verwahrte, langsam konturen annahm im goldenen rahmen und sie nun deutlich zu sehen war, er war den tr\u00e4nen nahe, vor freude und schmerz. sie sah ihn an mit ihren leuchtend gr\u00fcnen augen, die an manchen tagen eine fast unertr\u00e4gliche strahlkraft besa\u00dfen, er sah sich hinzutreten in die szene, h\u00f6rte ihre stimme zwar nicht mehr, h\u00f6rte hingegen ihre gedanken, er wollte dieses bild festhalten, was ihm nicht gelang, wo warst du die ganze zeit, ich wartete, du wei\u00dft doch, wo du mich findest, warum kommst du nicht, wann kommst du wieder, wirst du wiederkommen, felix, du gl\u00fccklicher, mach du mich wieder gl\u00fccklich, schau mich an, schau..er stand auf, da er bef\u00fcrchtete sie k\u00f6nne sich entkleiden, wie in einer vorigen vision, die ihn f\u00fcr viele tage besch\u00e4ftigte, verfolgte, und schloss den vorhang wieder, um ihn gleich danach wieder zu \u00f6ffnen, er konnte ihr nicht widerstehen, selbst als vision, war sie ihm unwiderstehlich, er k\u00fcsste ihre h\u00e4nde, k\u00fcsste ihren hals, ihre nun geschlossen augen, ihren mund, ihre lippen, leidenschaftlich, und schlief mit ihr, liess sich nach geraumer zeit vom stuhl fallen, blieb dort regungslos liegen, fl\u00fcsterte ihr noch liebesdinge nach, bis er ersch\u00f6pft dort in einen traumlosen schlaf fiel, er weit nach mitternacht erst ins bett fand, um dort zu wachen, wie erstarrt dort lag, nur sein fieber ihn ab und zu sch\u00fcttelte, was gegen morgen seine arbeit ihn ihm einstellte.\n\n\n\n<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Igor Levit &amp; Johanna Summer - WALDSZENEN (R. 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